Sexualisierte Gewalt - Täterarbeit

Sexualität spielt im Leben der Menschen eine wichtige Rolle. Neben der Fortpflanzung hat das Sexualverhalten der Menschen eine große Bedeutung für den Einzelnen sowie für das soziale Gefüge. Sexualität zählt zu den Grundbedürfnissen des Menschen und zwar sowohl in physiologischer als auch in sozialer Hinsicht, in Liebe, Lust, Nähe und Zärtlichkeit, die mit Sexualität verknüpft sind. Man spricht von sexueller Orientierung, sexueller Präferenz oder sexueller Neigung sowie sexueller Ausrichtung.


Begriffswelten

Sexuelle Orientierung erfasst die nachhaltigen Interessen einer Person bezüglich des Geschlechts eines potentiellen Partners auf der Basis von Emotion, romantischer Liebe, Sexualität und Zuneigung.


Sexualpräferenz oder sexuelle Präferenz (auch: sexuelle Neigung) ist ein Oberbegriff für sexuelle Vorlieben, Neigungen, Wünsche und Phantasien, die sich in entsprechenden sexuellen Verhaltensweisen äußern können. Die Vorlieben können sich auf bestimmte sexuelle Praktiken (z. B. Exhibitionismus) oder auf bestimmte Sexualobjekte (z. B. Fetischismus) beziehen. Der Begriff Sexualpräferenz wird meist nur für solche sexuellen Vorlieben oder Neigungen gebraucht, die als von einer Norm „abweichend“ angesehen werden können.


Sexuelle Ausrichtung bezieht sich auf das Alter der bevorzugten Sexualpartner. Es wird unterschieden nach Interesse am kindlichen, jugendlichen und erwachsenen Körper.


Das sexuelle Verhalten wiederum kann, muss aber nicht, Ausdruck von sexueller Orientierung, Präferenz und Ausrichtung sein. Menschen können aber auch eine Sexualität leben, die nur teilweise ihrer Orientierung, Neigung und Ausrichtung entspricht.


Täterarbeit & Hilfestellung

Für die Täterarbeit von Belang ist ein sexuelles Verhalten, dass die Persönlichkeitsrechte des Sexualpartners beeinträchtigt. Sexuelle Belästigung, sexueller Missbrauch, sexualisierte Gewalt in allen Formen beinhalten, sich zur eigenen sexuellen Befriedigung einer anderen Person ohne ausdrückliche Zustimmung des anderen zu bedienen bzw. geltende Gesetze zu verletzen. Eine sexuelle Orientierung allein (z.B. Homosexualität) ist somit kein Sexualdelikt und damit auch nicht Gegenstand der Täterarbeit. Entscheidend ist das sexuelle Verhalten. Ein Mensch mit einer Neigung bzw. Ausrichtung z.B. auf Minderjährige muss also seine sexuellen Impulse kontrollieren lernen , will er nicht die Rechte von Kindern und Heranwachsenden verletzen und mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Eine Täterarbeit mit einem Menschen mit der Neigung: Pädophilie würde somit die Neigung selber nicht als Problem betrachten, jedoch an der Ausübung - also dem sexuellen Verhalten - ansetzen.


Wie schon an anderer Stelle erwähnt, haben für uns auch Menschen, die sexualisierte Gewalt anwenden, ein Recht auf Hilfestellung bei der Bewältigung von Problemen und bei der Herstellung und Gestaltung partnerschaftlicher Beziehungen und sexueller Lust, solange dadurch niemand geschädigt und in seinen Rechten beeinträchtigt wird bzw. Gesetze verletzt werden.


Täterarbeit bei sexualisierter Gewalt soll also dazu beitragen, dass Gewalt als vom Partner ungewollte Einschränkung der eigenen Persönlichkeitsrechte unterbunden wird, erfüllt damit einen gesellschaftlichen Auftrag, die Rechte von Menschen zu schützen. Gleichzeitig hilft sie aber auch dem Gewalt ausübenden Menschen, ein Leben zu führen, das ihn nicht mit dem Gesetz in Konflikt bringt, ihm eine Teilhabe an sozialen und partnerschaftlichen Kontakten ermöglicht sowie ihm zu sexuellen Praktiken ohne unzulässige Gewalt verhilft.

 

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